Welt 24.02.2026
10:45 Uhr

„Ein Geschenk an die SPD“ – Polizeigewerkschaft bezeichnet Dobrindt Asyl-Pläne als „höchst unseriös“


Der „Sofort-in-Arbeit“-Vorschlag von Bundesinnenministers Dobrindt stößt auf geteiltes Echo. Vor allem die Polizei sieht in der früheren Arbeitsmöglichkeit für Asylsuchende einen erneuten „Pull-Faktor“, der womöglich mehr Zuwanderung auslösen könnte.

„Ein Geschenk an die SPD“ – Polizeigewerkschaft bezeichnet Dobrindt Asyl-Pläne als „höchst unseriös“

Der „Sofort-in-Arbeit“-Vorschlag von der Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) für Asylbewerber wird von Experten und Politikern kontrovers aufgenommen – und löst eine erneute Debatte über Integration und Abschiebungen aus. „Die beste Integration ist die in die Arbeitswelt“, hatte Dobrindt dazu erklärt. Deshalb sollten Asylbewerber künftig bereits nach drei statt nach sechs Monaten arbeiten dürfen. Zugleich solle die Arbeitsaufnahme keinen Einfluss auf die Asylentscheidung haben. Kritik äußert hingegen der Konstanzer Rechtsprofessor Daniel Thym . Er warnte in der „ Bild“-Zeitung, (verlinkt auf https://www.bild.de/politik/inland/polizei-gewerkschaft-dobrindts-neuer-asyl-plan-ist-hoechst-unserioes-699c1f25bf293b0308820a7e) es könne „kontraproduktiv sein, Menschen vom schnellen Arbeiten zu überzeugen, wenn die das Land nach dem Abschluss der Verfahren wieder verlassen sollen“. So untergrabe die Regierung „die eigene Abschiebungsoffensive“. Hauptproblem seien zu lange Asylverfahren. Die Regierung müsse vor allem für schnellere Verfahren sorgen, „vor allem bei Klagen vor Gericht“. Auch der Vorsitzende der Bundespolizeigewerkschaft (DPolG), Heiko Teggatz , lehnt den Plan ab. Er sprach in „Bild“ von „einem weiteren Geschenk an die SPD“. Die frühere Arbeitsmöglichkeit könne als „Pull-Faktor“ wirken und die „Asylwende der Bundesregierung ad absurdum führen“. Zudem sei es „höchst unseriös allen Beteiligten gegenüber, mit einer Arbeitsaufnahme einen dauerhaften Aufenthalt zu suggerieren und diesen dann gegebenenfalls ad hoc zu widerrufen“. Teggatz appellierte, wer in Deutschland arbeiten wolle, solle regulär über deutsche Auslandsvertretungen ein Arbeitsvisum beantragen und legal einreisen. Wirtschaftsforscher hatten Dobrindts Pläne dagegen begrüßt. „Aus ökonomischer Sicht weist die Initiative in die richtige Richtung“, sagte der Präsident des Münchner Ifo-Instituts, Clemens Fuest , dem „Handelsblatt“ (verlinkt auf https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/migration-wirtschaftsforscher-loben-dobrindts-arbeitsplan-fuer-asylbewerber/100202379.html) . Deutschland habe ein großes Interesse an Zuwanderung in den Arbeitsmarkt, ein erleichterter Einstieg diene diesem Ziel und fördere die Integration. Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher , nannte den Vorstoß Dobrindts „klug und längst überfällig“. Er erwarte spürbare Impulse für die Wirtschaft, da Deutschland ein „riesiges Arbeitskräfteproblem“ habe, von dessen Lösung vor allem kleine und mittlere Unternehmen profitieren könnten. Allerdings warnte Fratzscher: „Der schnellere Zugang zum Arbeitsmarkt sollte nur ein Element von vielen sein.“ Er forderte mehr Investitionen in Qualifizierung sowie langfristige Bleibeperspektiven, um Anreize für Investitionen in Ausbildung zu schaffen. Auch aus der CDU gab es Sympathien für den Dobrindt-Vorschlag: „Asyl-Migration ist niemals ein Ersatz für die notwendige, gesteuerte Zuwanderung von Arbeitskräften. Wer aber zu uns kommt, Schutz sucht und zumindest eine gute Aussicht hat, bei uns temporär bleiben zu können, muss so schnell wie möglich in Arbeit gebracht werden“, sagt auch der stellvertretende Unions-Fraktionsvorsitzende Günter Krings (CDU) WELT (verlinkt auf https://www.welt.de/politik/deutschland/plus699aba6f860785bf17cbcad9/asylbewerber-schneller-in-arbeit-so-untergraebt-die-regierung-die-eigene-abschiebungsoffensive.html) . Jeder Asylbewerber in Arbeit entlaste die Sozialsysteme. Der Arbeitsmarktzugang dürfe jedoch keine Fehlanreize schaffen. Für Asylbewerber aus sicheren Herkunftsstaaten, Dublin-Fälle und bei „offenkundigem Missbrauch oder fehlender Mitwirkung“ müsse es bei klaren Begrenzungen bleiben, so Krings. Zurückhaltender äußerte sich der Vorsitzende des Sachverständigenrats für Integration und Migration, Winfried Kluth . Zwar sei die mit der Maßnahme verbundene Entlastung der Sozialkassen „gut nachvollziehbar“. Doch dürften die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt gering sein, da Arbeitgeber frei wählen könnten, wen sie einstellen, sagte Kluth dem „Handelsblatt“. Der Gremiumsvorsitzende kritisierte zudem die bekannt gewordenen Kürzungen bei Integrationskursen durch das Innenministerium. „Dadurch werden sich die Belastungen der Sozialkassen tendenziell erhöhen.“ Unterstützung erhält Dobrindt auch von Karl Kopp, Geschäftsführer von Pro Asyl . Er bezeichnete den Vorstoß gegenüber „Bild“ als „Win-win-Situation“. Der schnelle Zugang zum Arbeitsmarkt ermögliche Asylsuchenden ein selbstbestimmteres Leben, zugleich gewinne die Gesellschaft. „Entscheidend ist, dass alle Asylsuchenden arbeiten dürfen und nicht weiterhin große Gruppen ausgeschlossen bleiben“, so Kopp. Der europäische Trend gehe in diese Richtung.